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„Man kann der Krankheit auch nicht so viel Raum geben.“

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Veronikas Bruder bekam vor einigen Jahren die Diagnose Lewy-Body-Demenz. Warum das die beiden Geschwister näher zusammengebracht hat und wie wichtig Rituale für sie sind, verraten sie beim Pingpong.

Veronika: „Seit Andreas’ Diagnose vor etwa vier Jahren spielen wir einmal die Woche Tischtennis miteinander.“

Andreas: „Am Pingpong gefällt mir besonders gut, dass es ein harmonisches Spiel ist, bei dem man den Ball hin- und herbringt. Man muss nicht unbedingt gegeneinander, sondern kann, wie wir es tun, auch miteinander spielen.“

Veronika:„Genau. Ich mag daran, dass man einerseits seine Feinmotorik trainiert, dass es aber auch sehr gut möglich ist, sich dabei zu unterhalten, und dass es einem auch die Möglichkeit gibt, sich nicht unterhalten zu müssen. Es gibt keine Stille, sondern einfach Momente, wo man mehr auf das Spiel konzentriert ist, und dann gibt es wieder Momente, wo man mehr miteinander redet. Als Andreas mir von seiner Diagnose erzählt hat, damals auf einer Parkbank in Schönbrunn, da hat er vorgeschlagen, dass wir Tischtennis miteinander spielen könnten. Ich fand die Idee sehr gut und irgendwie ist ein Ritual daraus geworden. Wir spielen sommers wie winters, einmal die Woche, jeden Freitag.“

Andreas: „Bei meiner Diagnose sagen Ärzte alles Mögliche, aber wo sich alle einig sind, ist, dass sportliche Betätigung auf jeden Fall gut ist. Besonders gut sind auch Sportarten, bei denen man etwas steuern muss. Und da sind wir jetzt wieder beim Pingpong. Es eignet sich hervorragend, weil ich den Schläger in der Hand halte, es kommt ein Ball und das Gehirn muss dann genau wissen, wie ich jetzt den Schläger drehen muss. Spiele ich Forehand oder Backhand? Wie haue ich jetzt genau drauf, mit welcher Intensität?“

Veronika: „Und ich glaube, wir haben uns mit diesem Tischtennis, dass es ja jetzt doch schon eine Zeit lang gibt, ein Stück Alltag miteinander geschaffen. Für mich ist es ein kleines fixes Fenster im Alltag meines turbulenten Lebens – ich bin beruflich sehr aktiv und habe zwei Kinder. Es ist die Zeit, wo alles andere abfällt, wir miteinander Pingpong spielen und es sonst nichts gibt.“

Andreas: „Es gibt diese Dinge, die kann ich noch machen, dann gibt’s diese Dinge, die gehen vielleicht nicht mehr so gut. Wichtig ist, sich auf die Dinge zu konzentrieren, die Spaß machen, und wenn das nicht mehr so hinhaut, ist es auch nicht so schlimm. Man kann der Krankheit auch nicht so viel Raum geben.“

Veronika: „Ich glaube, als Angehöriger musst du einmal eine Entscheidung treffen. Und eine der ersten Fragen, die man sich stellen muss, ist: Bin ich im Team oder nicht? Bin ich dabei, bin ich jemand, der den Andreas regelmäßig sieht, regelmäßig Zeit mit ihm verbringt, ja oder nein? Wir waren nicht so viel in Kontakt vorher, also wir haben uns immer gern gehabt, aber es war zweifellos nicht so, dass wir uns ständig gesehen haben. Für mich war dann klar: Okay, ich möchte ihn da einfach begleiten, ich möchte mit ihm sein. Und das Tischtennis ist eine ganz wunderbare Art, regelmäßig Zeit zu verbringen, weil man, anders als bei Kaffee und Kuchen, nicht gezwungen ist, Konversation zu machen, sondern du hast eine Zeit und verbringst sie miteinander. Dass man die Dinge, die man miteinander tut, gern tut, ist wichtig. Sonst sollte man es bleiben lassen. Denn wenn man es nicht gerne tut, würde das der andere spüren.“

Lewy-Body-Demenz

Die Lewy-Body-Demenz ist seltener als Alzheimer und wird bei rund fünf Prozent aller Demenzerkrankungen diagnostiziert. Betroffene zeigen neben einer fortschreitenden Gedächtnis- und Bewegungsstörung auch auffällig schnelle Schwankungen ihrer geistigen Fähigkeiten und ihrer Wachheit im Tagesverlauf.

Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.

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